005 – Sri Lanka. Der botanische Garten in Kandy und unsere erste Busfahrt

005 – Sri Lanka. Der botanische Garten in Kandy und unsere erste Busfahrt

Der botanische Garten in Kandy und unsere erste Busfahrt

Um 8 werden wir wach, der Strassenlärm ist schon wieder beträchtlich. Aber alles gut, das Frühstück wartet auf uns. Toast mit Omelett und Tee.

Die Nacht war laut, etwas unbequem. Dennoch wir haben alle gut geschlafen. Ich freue mich schon auf den Tag heute, wenn alles gut klappt, steht heute der Botanische Garten auf dem Programm.

Wir laufen. Kathi hat herausgefunden, dass es nur eine kurze 6-km-Strecke ist. Also laufen wir in Vorbereitung auf unseren Marsch zum Adams Peak. Wir laufen an der Strasse entlang. 6 Kilometer an der offiziell 2-spurigen, inoffiziell aber mindestens 5-spurigen Hauptstrasse entlang. Es ist laut. Es ist heiss. Es ist staubig. Und manchmal scheint es auch gefährlich. Das sehen die Sri Lanker allerdings ganz anders. Der Verkehr hier ist für unsere Ohren und für unsere Gemüter eine oder zwei, vielleicht auch drei Nummern zu heftig. Aber beim genauen betrachten sieht es aus wie Wasser, was sich einfach und geschmeidig immer einen Weg sucht. Unfälle sehen wir nicht. Jeder gleitet an jedem vorbei. Ich habe beobachtet, dass es hier scheinbar nur 2 Regeln gibt, die jeder als Grundvoraussetzung mitbringen muss. Deine Hupe muss gehen und du musst zu 100% gewillt sein, zu überholen, egal ob es Sinn macht oder nicht. Hauptsache, du bist ein Tuktuk weiter vorne. Das ist hier der «Flow». Hupen und überholen, kurz gesagt. Dass man dabei auch gern die anderen etwas wegdrängelt, ist dabei nebensächlich. Denn die überholen dich ja auch gleich wieder. Hupend, selbstverständlich.

Endlich im Botanischen Garten angekommen, laufen wir über eine wunderschöne Hängebrücke, Gerd hat es ja nicht so mit Hängebrücken, aber es geht schon. Hinter der Brücke erwartet uns ein Traum, ein Traum in Ruhig. Kein Lärm, kein Hupen, kein Staub. Dafür übergrosse Bambusbüsche, 200jährigen Ficus Benjamini, welche geschätzt sicher 20 Meter hoch sind und eine Baumkrone haben wie von einem Doppelhaus. Überall hängen Flughunde und flattern. Unten an den Bäumen sitzen Äffchen. Viele kleine Äffchen. Sie fangen sich, sie spielen miteinander, sie lassen sich von Ast zu Ast baumeln und sind einfach herzallerliebst. Eine Affenmama beobachten wir dabei, wie sie ein Miniäffchen trägt. Es klammert sich vorn an die Mama und sein Schwänzchen dreht es unter der Mama hindurch um ihren Schwanz. So tappst sie durch die Gegend und wir finden genügend Zeit, sie zu beobachten.

Der Botanische Garten ist scheinbar der zweitgrösste seiner Art in Asien, wunderbare alte Bäume, welche ineinander verwurzelt sind. Sträucher, Palmenalleen, Kanonenpalmen und was weiss ich nicht noch alles. Manche Pflanzen haben wir noch nie gesehen. Die bunten Papageien sind auch wunderschön anzusehen, jedoch nicht so zahlreich wie die Äffchen oder Flughunde. Weiter hinten liegen faul ein paar knöcherne (schlanke?) hellbraune Kühe mit Hörnern. Kaum sind wir ein paar Meter weit gegangen, sehen wir schon wieder etwas Neues. Die Kamera knipst ohne Unterlass und als wir im Orchideenhaus ankommen, hoffe ich noch, dass wir genügend Speicherplatz haben. Eine Orchidee ist schöner als die andere.

Irgendwann treibt es uns in ein Restaurant, wir essen Sandwiches und Omelett und warten den kurzen Regenschauer ab und gehen weiter. Irgendwann haben wir es dann auch gesehen (wahrscheinlich nicht alles) aber für uns ist es jetzt genug.

Draussen wollen wir eigentlich ein Tuktuk nehmen, aber so richtig Lust auf Verhandeln haben wir nicht. Verhandeln ist eh nicht so mein Ding! Wir laufen ein Stück und steigen dann in einen Bus ein. Partymusik in voller Lautstärke. Wir fahren für n Appell und n Ei ein paar Stationen und sind dankbar, nicht die ganze Strecke wieder zurücklaufen zu müssen.

Abends gehen wir freudestrahlend wieder in die lärmende Innenstadt. Irgendwie brauchen wir das wohl. Wir gehen wieder zu unserem Stamm-Inder und essen so beinahe das Gleiche wie gestern. Es war aber auch wirklich lecker.

Jetzt wollen wir nochmal Tuktuk fahren. Direkt vor dem Restaurant stehen 2 und warten auf Kundschaft. Für je 300 wollen sie uns zum Hotel fahren. Ich finde das recht teuer, kann aber so gar nicht handeln. Ich frage, ob das deren Ernst ist. Sie lächeln und sagen ja. Okay, dann sage ich eben auch okay.

Spannend, wie ich nicht handeln kann. Mir macht das irgendwie ein komisches Gefühl. Ich meine, 300 sind etwa 2 Franken. Das ist wirklich nicht viel.

Die Fahrer lächeln und wir steigen ein, Frauen und Männer-Tuktuk. Kathi hat scheinbar viel mehr Freude am Fahren als ich. Also, der junge Fahrer lächelt uns zu. Ich denke noch so, ob der wohl schon alt genug ist zum Fahren, verkneife mir dann aber die Frage. Die Sri Lanker sehen doch alle recht jung aus.

Er lacht, ruft yeah! und krempelt sich die Ärmel hoch. «Yippie, that is Sri Lanka!» ruft er, dreht das Tuktuk auf und macht zwischen Hunderten anderen Autos, Bussen und Tuktuks einen U-Turn in halsbrecherischer Geschwindigkeit, lacht und juchst dabei und ruft zu mir: «Don›t worry, Madame!». Ich kralle mich erst in Kathis Arm (scheint ihr nicht so zu gefallen) und dann in das wunderschön verzierte Tuktuk-Gestänge. Anschliessend haben die Metallstücken meine Handabdrücke. Es muss auf jeden Fall überholt werden. Jeden. Wirklich jeden. Die anderen sehen das genauso und überholen ihrerseits dann wieder uns. Links. Rechts. Egal. Wenn sie könnten, würden sie auch oben drüber fahren. Irgendwann, nach Ewigkeiten, etwa 2 oder 3 Minuten, kommen wir am Hostel an und ich muss nun keinen Kaffee oder Tee mehr haben. Ich bin wieder hellwach und fit. Mein Puls geht in dreifacher Geschwindigkeit und mein Herz pocht. Aber: wir sind glücklich und heile angekommen. Komischerweise sind die anderen einfach nur angekommen. Ohne grosses Theater. Ich habe das Gefühl, dass sie mit anderen Tuktuks in einer anderen Verkehrssituation gefahren sind. Oder eben einfach eine völlig verträumte Wahrnehmung haben. Irgendwie so muss es wohl sein.

Den Abend verbringen wir noch im Hostel mit anderen Deutschen beim Uno-Spiel. Es wird ein lustiger Abend, den wir lachend beenden. Für einmal müssen wir am morgen nicht so früh raus und kuscheln uns ins Bett.

Shownotes für iTunes: http://www.leben-pur.ch/005-sri-lanka-der-botanische-garten-in-kandy-und-unsere-erste-busfahrt/


Infos:

Der botanische Garten in Kandy: Royal Botanical Garden

Hostel Kandy: Three Three Five Holiday Homes & Dormitory

Reiseführer: Stefan Loose Reiseführer Sri Lanka

Facebook-Gruppe zu Reisen in Sri Lanka

Bahn Sri Lanka

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