Spanien – Kichern in Valencia

Kichern in Valenica

Halb 6 werde ich wach und freue mich über den ersten hellen Streifen am Horizont. Yeah, ich hab den Sonnenaufgang direkt vor der Nase. Hier muss ich mal meiner Blase ein Dankeschön sagen, denn sie war es, welche mich wach werden liess.

Wir haben dann in Ruhe, aber noch ohne knallende Sonne unser Zelt abgebaut. Alles eingeräumt. Es ist schon schön, wenn wir minimal-gepäckmässig unterwegs sind. So ist schnell alles verräumt. Aber dennoch dauert es etwas. Wir sind natürlich verwöhnt, im Regen möchte ich das Zeug nicht wegräumen müssen. Aber naja, wir sind ja in den Sommerferien.

Leider verlassen wir diesen Platz schon wieder, weil wir heute in Richtung Valencia düsen wollen. Die Strecke dorthin erweist sich als wenig schön und mit jeder Viertelstunde steht die Sonne höher und wir knacken das erste Mal die 30-Grad-Grenze. Diese ist dann auf dem Motorrad echt heftig.

Unterwegs machen wir ab und zu Pausen, eine zum frühstücken direkt am Meer . Hier trinken wir Kaffee und essen Toast mit Tomatenpüree. Echt lecker, hätte ich gar nicht gedacht. Weiter geht‘s zum nächsten Strand, hier springen wir in die Fluten. Der Strand ist steinig, gut, dass ich meine luftigen Barfussschuhe dabei habe, ich gehe direkt mit ihnen rein ins Wasser. Auf dem Moto trocknen sie bestimmt schnell.

Ich suche schon mal nach einem Campingplatz, aber in der Nähe von Valencia finde ich kaum einen, der mit gefällt und bezahlbar ist. Kurzerhand buche ich uns mitten in Valencia ein Hostel für 15 Euro pro Person, witzig… Wir sind definitiv zu alt für Hostels. Der Durchschnitt liegt bei 18+, aber heute ist das uns egal.

Wir gehen in die Stadt und erleben unsere erste spanische Stadt. Wir bummeln viel zu früh, die Stadt ist fast leer. Es ist um 3. Wir Touris merken, dass hier Siesta ist. Also ab in die Jugi und etwas geschlafen. Um 6 gehen wir wieder raus und merken, dass das eindeutig die bessere Zeit ist für Valencia.

Wir gehen durch Kirchen, schauen uns die imposante Architektur an, welche christlich und maurisch geprägt ist. Wir schlendern durch die Altstadt und schauen Künstlern zu und beobachten die Menschen. Viele Frauen haben sich für den Abend wirklich hübsch gemacht. Und nun haben wir Hunger. Richtigen Hunger. Laut Aushang im Hostel wissen wir, dass die Paella aus Valencia kommt. Also muss es Paella sein. Als sie kommt, sind wir begeistert. Der Kellner empfiehlt uns allerdings vorher noch das Ague de Valencia, wohl so ein Aperitif. Nagut, nehmen wir. Er bringt ihn und sagt noch so, you drink and then you are happy. Na gut, denken wir.

5 Minuten später, wir warten noch auf die Paella, sind wir völlig betrunken und nur noch am gackern. Wir finden alles lustig. Lächelnd beantwortet der Kellner die Frage nach dem Inhalt des „Wassers“. Orangensaft, Champagner, Wodka, Gin und Zucker. Na Prost.

Die Paella war sehr sehr gut, ich hatte die vegetarische und Gerd die valencianische. Sagt man das so? Auch diese war super.

Aber danach kam das Highlight. Unsere Kathi hat uns ja noch empfohlen, unbedingt Churros zu essen mit geschmolzener Schokolade. Wow, war das ein Fest. Wie Schoggi-Fondue mit Früchten und Churros.

Wir torkelten zu unserem Hostel, es war Gott sei dank nur die Strasse runter und nur etwa 500 m von der Altstadt entfernt und lagen kurz vor 10 in den Betten. Die anderen in unserem Zimmer machten sich gerade fertig zum gehen, wir wollten nur noch unseren lustigen Rausch ausschlafen. Kurz haben wir noch mit Moppi telefoniert, irgendwann stieg das Internet aus und dann mussten wir leider abbrechen. Er hat noch freudestrahlend von seinem Gampel-Festival erzählt. Gern hätten wir noch mehr gehört, er war so fröhlich 🙂

Wir hoffen, morgen können wir noch mal mit ihm telefonieren.

Zum Reisen an sich noch ein paar Worte. Ich sitze auf dem Töff und lasse die Landschaft an mir vorbei rauschen. Es fühlt sich in etwa so an wie wenn man unter eine Regenschauer-Dusche duscht. Ich nehme die Eindrücke auf und geniesse es. Ich schaue stundenlang auf Olivenbaum-Plantagen und später dann auf tausende und abertausende Orangenbaumplantagen. Leider sind die Orangen noch nicht reif. Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, wann Orangen reif sein müssten. Es ist aber einfach beeindruckend, wie viele Orangenbäume es gibt.

Später fahren wir an einem Feigenbaum vorbei. Er duftet unfassbar gut. Ich bitte Gerd, umzukehren und ich möchte gern ein paar Feigen ernten. Leider duften sie zwar schon wie Reife, sind es aber noch nicht. Alle noch grün und hart. Na gut, scheint wohl auch keine Feigensaison zu sein.

Ich nehme die Reise auf dem Motorrad unglaublich über die Düfte wahr. Hier ein Feigenbaum, da die Meeresbrise. Hier die Paella in einem Restaurant, dort ein frischer Espresso. Aber auch unangenehmes nehme ich wahr, ich mit meiner Spürnase. So liegen wir gestern Nacht im Zelt und zum beschweren hatten wir unsere Motorradkoffer ja in die 4 Ecken des Zeltes getan. Ich lag natürlich mit dem Kopf an dem Koffer, der normalerweise am Auspuff ist. Also roch ich die ganze Nacht Benzin oder so was. Ständig erwachte ich mit Benzingeruch in der Nase. Heute Nacht schliefen wir in einem 6-Bett-Zimmer im Hostel, ich muss wohl kaum erklären, wie es dort nach Wanderschuhmüffel und unseren ewig nassen Handtüchern roch. Aber irgendwie, auch wenn ich Feigenbäume und Meeresbrisen bevorzuge, gehören alle Düfte dazu. Ich liebe das Reisen.

 

 

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