Spanien – Wie viele Eindrücke passen in 24 Stunden?

Wie viele Eindrücke passen in 24 Stunden?

Wir wollen früh aufstehen, ab 6 Uhr kann man anstehen für Alhambra Tickets. Halb 10 werden wir wach. Unser Hostelleben verlottert uns. Die jungen Dinger gehen spät ins Bett und schlafen lang. Wir nun auch. Um 10 sitzen wir gemütlich beim Frühstück für 3 Euro. Toast. Kaffee. Müsli und komischer Saft. Es ist gemütlich. Sehr sogar. Menschen aus aller Welt sind hier. Es wird in aller Herren Länder Sprache gesprochen. Hier werden Mails gelesen, dort noch Handys aufgeladen. Mittendrin piepst unüberhörbar der Toaster und zeigt an, dass er seine Arbeit getan hat. Am liebsten würde ich hier bleiben, eintauchen, abtauchen. Zuhören.

Irgendwann aber müssen wir wohl los und versuchen, noch Tickets für die Alhambra zu bekommen. Überall wünschen Sie uns Glück, in der Hochsaison an einem Samstag ungeplant in die Alhambra zu wollen. Müde lächeln sie. Wir machen es wie immer. Wir nehmen an was da kommt.

Zuerst buchen wir einen dieser Touristenbusse mit hop-on-hop-off, welcher uns zuckelnd durch die Stadt kutschiert. Es ist schon wieder unfassbar heiss, um die 33 Grad sicher. Kein Lüftchen. Oben an der Alhambra angekommen stellen wir uns in die Ticketschlange und haben 4 Minuten später unsere Tickets in der Hand. Bitte was ist daran so schwer gewesen? Oder sind wir einfach wieder Glückspilze? Egal wie, wir sind hocherfreut und trinken darauf wieder einen unserer lieben Espresso und schon bald geht es in das riesige Areal.

Zuerst die Generalife, das sind super schöne Gärten mit Brunnen und Wasserspielen und was weiss ich nicht noch alles. Ich stelle mir vor, mit meinen Freundinnen hier zu lustwandeln und in einer der kleinen Kuppeln, umrahmt von Orangenbäumen und Rostenstöcken einen Nachmittagstee zu nehmen. Der Lakai würde uns noch Gebäck bringen und vielleicht wäre er uns auch noch anderweitig zu Diensten. Denn hier oben mit der Aussicht über Granada wäre das doch mal was.

Egal wie, wir laufen mit unseren Flipflops die gekennzeichneten Wege und können schon gar nicht mehr glauben, dass es so eine Schönheit gibt. Die Kamera klickt und klickt und ein wenig habe ich schon Bammel, diese Masse an Bildern zu sortieren. Aber diese Gedanken sind nebensächlich, denn kaum um eine Ecke gelaufen erscheint die nächste schöne Aussicht. Mal mit Sierra Nevada im Hintergrund, mal mit Granada. Mal mit Feigenbäumen, mal mit mir unbekannten Pflanzen. Und wohlgemerkt, wir sind erst im Generalife, den ersten von vier Teilen der Alhambra.

Weiter geht‘s quer durch die Mauern. Hier eine Ruine, da ein alter Palast. Dort ein Blumengarten, hier eine gerade restaurierte Kuppel. Wir stehen nun an für den Nesriden-Palast. Ich denke mir nach über 2 Stunden Hitze so, ach, was wird da wohl wichtiges sein. Wir stehen an. Und stehen. In der prallen Sonne. Ich mag schon gar nicht mehr, aber alle sind tapfer. Und die arabische Familie mit ihren lebhaften Kleinkindern unterhalten die ganze Warteschlange. Speziell der Papa, der versucht, die Rasselbande zur Vernunft zu bringen, ist eine Unterhaltung für uns. Manchmal denke ich, ihm platzt gleich die Halsschlagader vor Wut. Die Jungs machen wirklich alles, was sie nicht sollen. Sie springen über Absperrungen, sie laufen einfach weg, die megageschminkten und komplett bekleideten Frauen, Mütter, Schwestern rennen über den heissen Platz hinterher und fangen die Jungs ein. Der Papa brüllt und die Zuschauer freuen sich über die Ablenkung. Dabei Gerd und ich, ob es wohl den Kids Freude macht, in mittelalterlichen Gemäuern bei sengender Hitze der maurischen Kunst zu frönen…

Die ganze Warterei lohnt sich. Ich habe noch nie so wunderschönen Wandschmuck gesehen. Verzierungen aus Marmor, Holz und Stein. Filigran und wunderschön. Jede Wand ist anders, jedes Muster unterscheidet sich. Nach etwa 20 Räumen ist die Speicherkarte der Kamera und mein Kopf schon längstens übervoll. Soviel Detailreichtum ist nicht greifbar. Ich bin begeistert und auch etwas überfordert. Das erste mal freue ich mich auf die Ruhe daheim, wenn ich die Bilder noch einmal in Ruhe anschauen kann.

Gerd möchte gern noch weiter durch die Alhambra, ich kann nicht mehr. Wir machen eine Pause in einem kleinen Hotel mit einem zauberhaften Innenhof. Hier kann ich etwas runter fahren und erholen. Und sogern ich noch weiter alles anschauen würde, ich habe es für heute gesehen und möchte einfach nur noch Siesta machen. Unser Plan ist ja, nur soviel zu machen wie es für uns passt und nicht, wie viel „man“ machen muss.

Also ab zu unserem Touri-Büschen und noch einmal quer durch die Stadt runter zu unserem Hostel. Hier schlafen wir diesmal in unterschiedlichen Zimmern, ich gehe in meines und unterhalte mich in meinem holprigen Englisch mit einem Franzosen, der 2 Etagen über mir liegt. Der Taiwaner, der noch zwischen uns schläft, ist gerade unterwegs.

Nach einer Stunde Schlaf wecke ich Gerd und wir treffen uns unten in der Küche und im Innenhof. Weil wir ja Low-Budget unterwegs sein wollen (was uns immer weniger gelingt) koche ich diesmal Spaghetti Pesto und wir schlagen uns den Bauch voll. Zum Dessert lade ich Gerd dann zu einem Eis ein. Die Gelateria habe ich am Vorabend schon gesehen. Etliche Menschen standen an und schleckten Eis. Und es hat sich gelohnt.

Neben dem kochen im Hostel bekommen wir Gelegenheit, mit der Rezeptionistin zu sprechen. Sie ist deutsche und lebt seit vielen Jahren hier in Spanien. Sie liebt das Leben und erzählt uns einiges über die Gegebenheiten hier. Wir fragen und sie gibt antworten. Wir freuen uns, endlich mal mit Leuten von hier ins Gespräch zu kommen. Am liebsten würden wir mit ihr noch weiter plaudern, aber im Gegensatz zu uns muss sie auch arbeiten.

Wir lassen uns also einen zweiten Abend durch Granada treiben und nehmen noch einmal unseren Bus. Diesmal fährt er uns hoch über die Stadt in ein Viertel, welches ich wohlwollend Künstlerviertel nennen würde. Von hier haben wir einen traumhaften Blick auf die nächtlich beleuchtete Alhambra und hier sitzen die Menschen bei Tapas und Wein und geniessen die immer noch bestimmt knapp 30 Grad und den Abend.

Wenig später bummeln wir zu unserem Bus zurück und fahren heim. Wir sind knülle und möchten nur noch eins. Ins Bett. Kurz vor 12 schlafen wir in getrennten Zimmern ein.

 

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