Spanien – Hitze und Mohnblumen als Andenken

Hitze und Mohnblumen als Andenken

Den Tipp, dass man sehr früh aufstehen muss für Alhambra Tickets hat leider auch mein Bett-Nachbar erhalten. Halb 6 klingelt sein Wecker und alle im Zimmer sind wach. Er steht auf. Macht sich auf den Weg, ich versuche noch etwas zu schlafen. Halb 8 bin ich dann aber auch soweit, dass ich kapiere, dass es nicht mehr nutzt, einschlafen zu wollen. Also ab in die Dusche. Das gute in Hostels ist, dass man so früh meistens ganz alleine ist. Alle schlafen noch. Die jungen Dinger gehen ja auch so spät aus.

Also, Gerd wecken gehen und dann unser ganzes Zeug erst mal raus in den Flur tragen, denn wir wollen weder die in meinem noch in Gerds Zimmer stören.

Im Flur büscheln wir unser Zeug und tragen es runter. Unser Felix steht brav in der kleinen Gasse vor dem Hostel und wartet auf seinen nächsten Einsatz.

Wir frühstücken erst einmal und suchen uns die Route raus. Das Thermometer klettert und klettert und ich bin fast gewillt, die schnellste Strecke auszusuchen. Gerd jedoch möchte schöne Strecken fahren. Also geht‘s ab durch die Berge, vorbei an malerischen Stauseen und grandiosen Gebirgspanoramen. Der Finger geht ständig zum Auslöser, auch heute werden wir wieder sehr viele Bilder auf der Speicherkarte haben.

Wir fahren so viele Kurven, manches mal frage ich mich, wie viele Kurven wir bereits gefahren sind. Irgendwann machen wir an einem einsam liegenden Hotel eine Espressopause und setzen uns zu einem Herrn. Der einzige Gast im Übrigen.

Er ist Engländer mit einer irischen Frau, erzählt er uns und wohnt in Spanien. Er berichtet auch, dass er mehrere Motorräder hat und alles an ihm spricht die Sprache des Geldes. Nur sein Aussehen so überhaupt nicht. Ein absolut sympathischer Typ.

Beim ade-sagen lächelt er und zieht sich eine olle Jeansjacke an auf deren Brust eine lustige gehäkelte Mohnblume prangt. Ich spreche ihn darauf an und sage, diese Blume sehe lustig aus. Er strahlt über das ganze Gesicht und erzählt, dass das das Erkennungszeichen ist von Menschen, die in Not geratene Menschen finanziell unterstützen. Er kramt in seiner Gürteltasche und schenkt mir ein Armband mit einer Mohnblume drauf. Und lächelt. Und braust mit seiner Triumph von dannen.

Die Tage zuvor frage ich Gerd immer wieder mal, dass ich ein Andenken kaufen möchte. Ich schaue hier und da und so richtig fündig werde ich nicht. Und nun schenkt mir ein Mensch einfach so ein kleines Andenken. Ich trage die Mohnblume, die auf englisch auch noch poppy heisst, glücklich am Arm. Nun habe ich mein Andenken. Und bin wieder einmal mehr als beschenkt worden.

Wir fahren weiter und wollen beide nicht mehr. Das Thermometer kraxelt ab und zu auf 37 Grad hoch und Lust zum fahren haben wir beide nicht. Wir wollen nur noch in Ronda ankommen. Und am liebsten in irgendeinen Pool springen. Die Google-Camping-suche zeigt mir einen Camping ein paar Meter vor den Toren Rondas an. Also, nichts wie hin. Als wir ankommen, sind wir begeistert und können unser Glück kaum fassen. Für 22 Euro sind wir auf dem bisher schönsten Platz. Mit viel Platz, Schatten durch romantische Olivenbäume und der Knaller: ein Pool! Und was für einer. Unglaublich romantisch angelegt und überall noch Liegen im Schatten. Wir fahren unsere Körper langsam runter und kühlen uns ab. Und sind ungestört und plaudern über unsere Reise. Über mögliche Reisearten einer Weltreise. Über Budgets. Über unseren Luxus, den wir uns manchmal wünschen. Und darüber, dass wir Camping ganz gut finden. Aber Hotels auch.

Am Abend machen wir uns die paar Meter auf nach Ronda. Schliesslich wollen wir doch die weltberühmte Brücken sehen und vor allem wieder einmal Tapas essen. Oder Paella. Oder Churros. Oder alles. Wir mischen uns unter die Touristen, bewaffnet mit Kamera und allem und schlendern durch die Stadt und essen vegetarische Paella, Tomaten-Tapas und Churros mit Schoggi. Also ein perfektes Menü. Nach einer kleinen Spazierrunde fahren wir „heim“ und legen uns in unser Zelt. Am liebsten würde ich draussen schlafen. Aber aus Schiss vor Getier krauche ich ins Zelt. Es ist immer noch super-heiss und wir liegen nackt auf unsern Schlafsäcken und bewegen uns keinen Zentimeter. Jede Bewegung ist bei der Wärme zu viel. Irgendwann schlafen wir ein und gegen Morgen merke ich eine leichte Abkühlung.

 

 

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