Spanien – Volle Montur auf dem Motorrad, ohne Montur auf dem Campingplatz

Volle Montur auf dem Motorrad, ohne Montur auf dem Campingplatz

Die Nacht schlafen wir weniger gut. Irgendwie ist der Campingplatz zwar gut, aber irgendwie auch zu clean, zu wenig charmant. Das einzige coole, was wir noch nie hatten, war pro Parzelle ein eigenes Bad, welches sogar noch abschliessbar ist. Ich muss also nachts nicht über den Camping tapern, sondern kann einfach in unser eigenes WC gehen.

Wir frühstücken, machen währenddessen noch eine Wäsche und packen unser Zeug zusammen. Ich schau mal alles durch, räume neu auf und ein und Gerd verpackt Zelt und den foodprint. Das ist die plane, welche wir immer unter das Zelt legen. Und das ist auch gut, dass wir diese mithaben. Denn hier in Spanien sind recht oft steinige Untergründe die wir im Zelt recht spüren würden.

Als die Wäsche getrocknet ist und wir alles auf das Motorrad geschnürt haben, machen wir uns in Badesachen auf zum Pool. Denn dieser hat gerade geöffnet, wir hören es an der unterhaltenden Musik. Whitney Houston – die komplette best-of-CD rauf und runter…

Nach einer knappen Stunde Vulkan-Quellen-Baden und einem Espresso geht‘s auf unserem Felix weiter in Richtung Meer. Wir steuern mal Richtung Alicante, wenngleich der Ort selbst nicht unser Ziel sein wird. Eher nördlich von Alicante irgendetwas. Gerd und ich sind auf der Suche nach einem Platz, wo wir eventuell 2 Tage bleiben wollen, denn mittlerweile tut uns unser Hintern schon nach 2 Stunden Töff-Fahren weh. Wir müssen also mal unsere Popöchen schonen.

Seit ein paar Tagen überlegen wir, ob wir mal auf einem FKK-Camping wollen. Wir beide kennen das von der Ostsee und müssen sagen, dass das Nacktbaden uns schon recht gefällt. Ob uns aber Nacktcamping gefällt, wissen wir nicht. Ich suche verschiedene Nudisten-Campings rund um Alicante raus und Google spuckt was schönes in den Bergen aus. Mit top-Bewertungen und in romantischer Lage.

Eine Mittagspause muss aber sein, denn wir haben wieder mal Hunger. Hunger haben wir hier im ständigen Rhythmus, also wirklich. Wir haben nach den Ferien bestimmt zugenommen. Ich finde direkt in Alicante am Hafen ein tolles vegetarisches Restaurant (Green budy) und dort werden wir nach Strich und Faden kulinarisch verwöhnt. Statt des kleinen Mittagssnacks essen wir ein drei-Gang-Menü und wenn wir nicht schon längst satt wären, würden wir uns noch durch die ganze Dessertkarte futtern. Jedes einzelne Gericht ist ein Traum.

Nach dem Espresso geht‘s weiter, auf zu unserem ersten Nackidei-Camping.

In Alicante sind die 28,5 Grad für uns einfach nur schön. Alles was unter 30 ist, geniessen wir. Auf dem Motorrad sind 30 und mehr Grad schon recht warm, speziell, weil wir ja unsere Motorradjacken anhaben. Anhalten und Staus sind komplett doof, rasche Fahrten gehen gerade so. Nur, also wir in Alicante raus sind und nach dem ersten kleinen Gebirge ins Hinterland kommen, steigt das Thermometer stetig bis auf 37 Grad. Puh, ich schwitze schon beim hinsehen und hoffe, dass der Campingplatz viel Schattenplätze hat.

Wir fahren eine traumhaft schöne Strecke durch Berge, kurvenreich wie immer hier in Spanien und felsig und waldig und einfach romantisch. Diesmal ist die Natur nicht wüstenähnlich sondern wirklich grün. Nach langer kurviger bergauf-Tour kommen wir am Camping an. Und stehen vor verschlossenem Tor. Alles abgeriegelt, aber es gibt eine Gegensprechanlage und die Dame an der Rezeption spricht sehr gutes Englisch.

Sie öffnet das Tor und wir fahren noch etwas weiter zum Campingplatz. Irgendwie sehr beruhigend, dass der Campingplatz geschützt ist. Denn hier springen alle nackt herum, eben auch die Kinder. Und da ist es schon beruhigend, dass nicht einfach irgendwer hier rein marschieren kann.

Wenn ich ehrlich bin, mache ich mir eine ganze Menge Gedanken zu dem Nackedei-Camping. Was sind das wohl für Menschen. Warum sind Menschen so gern nackt. Irgendwie habe ich immer das Gefühl, Nacktheit mit Sexualität verbinden zu müssen. Und das spannendste, das alles findet hier überhaupt nicht statt. Die Menschen sind nackt, ja, aber das ist auch alles. Die Menschen sitzen am wunderschön geschwungenen Pool, auf den Steinterrassen und im Café nackt. Ganz normal. Die Kinder flitzen hier einfach so rum, wie Gott sie geschaffen hat. Ein Jugendlicher hat eine Badehose an, was ich absolut verstehen kann. Pubertierende müssen sich erst mal finden. Auch das wird hier akzeptiert. Zum Abendessen, was für uns sogar vegan gemacht wird, finden sich alle Varianten. Gerd und ich haben etwas übergezogen, es ist aber auch um 9 am Abend nicht mehr so superheiss. Verschiedene haben nur untenrum ein Tüchlein, wieder andere sind komplett nackt und legen auf ihren Stuhl nur ein Badetuch. Die Chefin ist gleichzeitig Kellnerin und bedient uns oben ohne. In der Küche haben alle wenigstens einen Rock oder ein Höschen an, Koch und Köchin noch eine Schürze.

Das Essen ist wunderbar. Aber viel zu viel. Wir hatten einfach am Mittag schon ein riesiges Menü. Aber irgendwie geniessen wir auch den Abend, trinken ein Glas Wein und gehen dann um 10 ins Bett. Vorher jedoch müssen wir mit der Taschenlampe zum Zelt laufen. Auch das ist hier wunderschön. Es gibt kein künstliches Licht ausser im Café. Ich habe schon so lange nicht mehr so einen traumhaften Sternenhimmel gesehen. Das letzte mal glaube ich im Death Valley – auch da gab es keine Lichtverschmutzung. Ich habe ja nach wie vor nicht viel Ahnung von Sternbildern, aber diese Klarheit ist fantastisch.

Wir kriechen ins Zelt und wenig später schlummern wir tief und fest.

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Mit den Menschen kommen wir kaum in Kontakt, leider sprechen wir beide kein Spanisch und die Spanier kein Englisch oder eine andere Sprache, die wir verstehen. wir stellen fest, dass die Spanier zwar englisch in der Schule haben. Aber kaum sprechen und deswegen auch unsicher sind. Und irgendwie, das war uns nicht so klar, sind sie sich in ihrer Sprache auch genug. Wir persönlich finden das etwas schade. Wir würden gern mehr erfahren über Spanien und über die Lebensart. Wir würden gern etwas erfahren über die Kultur, die Politik, die Natur oder eben was die Spanier so beschäftigt.

Für unsere Weltreise steht mittlerweile fest, dass wir wenigstens spanisch und ich noch mehr englisch lernen müssen. Wir wollen einfach näher dran sein. Mehr mit den Menschen reden können. Denn sonst ist so eine Weltreise irgendwie nur ein abhaken von Destinationen. Aber genau das wollen wir ja nicht.

Aber was wollen wir eigentlich? An schöne Orte? Geschichtsträchtiges sehen? Menschen kennenlernen? Abenteuer erleben? An unsere Grenzen gehen? Gemeinsam etwas erleben? So richtig klar ist das uns noch nicht. Wir müssen da wohl noch mal drüber philosophieren…

 

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