Grenzübergang Türkei – Iran

Grenzübergang Türkei – Iran

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Vorabend

Wir sind immer gerne gut vorbereitet. Normalerweise beruhigt uns das. Also fahren wir direkt zum Grenzübergang, übernachten 30 Meter vom Schild «Kapikoy Gümrük» entfernt.

Zugegeben, es gibt schönere Plätze. Gegen 6 Uhr wird es ruhig, die letzten Grenzgänger laufen an uns vorbei, die letzten überfüllten Minibusse rollen Richtung Van.

Wir kochen uns unser Camperseelenfutter. Die letzten italienischen Nudeln, die letzte Tomatensauce von Alnatura. Unser Vorrat an Souvenirs und heimatlichem Essen schwindet. Heute gönnen wir uns eben «was Gutes», was uns erdet, was wir kennen, was uns nicht noch mehr aus der Bahn wirft.

Denn auch das ist wichtig, Anker zu setzen. Denn, das ist ganz klar, für uns ist das der erste wirklich spannende Teil unserer Reise. Der erste «interessante» Grenzübertritt. Das erste Land, das für uns so viel Geheimnis birgt. Und Sehnsucht. Und Vorfreude. Und ja, auch ein bisschen Ungewissheit.

So liegen wir im Bett, ich plappere vielleicht ein bisschen mehr als nötig. Ausserdem ist eh schon alles gesagt… Gerd bemerkt seelenruhig, er wisse ja, dass das meine Art sei, Stress abzubauen. Er lässt mich erzählen. Irgendwann aber wird es still.

Der Morgen

Zwei Stunden vor dem Weckerklingeln weckt mich der Muezzin. Super, drei Stunden vor Grenzöffnung bin ich wach. Hellwach. Gerd gibt sein Bestes, hält mich ganz fest, aber ich will aufstehen. Was ich denn machen würde, fragt er. Nun, ich könnte Kaffee kochen, ein paar Runden stricken (meine heimliche Meditation) oder die Papiere sortieren. Zum fünften Mal.

Irgendwann dampft tatsächlich der Kaffee vor mir, ich schreibe diese Zeilen und die Stricknadeln warten auf mich. Plötzlich werde ich ruhig. Ein paar Engelkarten helfen mir, liebe und aufmunternde WhatsApp-Nachrichten von Familie und Freunden tun ihr Übriges. Die Papiere sind sortiert (und geteilt, denn ich werde mit Felix und Gerd separat als Fussgänger die Grenze überqueren).

Iran, wir sind bereit. Iran, wir kommen. Iran, wir freuen uns auf dich.

Kurz nach 8 Uhr stehen wir also an der Grenze. Es sind -11° und wir erfahren, dass die Tore erst um 9 Uhr geöffnet werden. Also sitzen wir bei laufender Heizung und warten. Weit und breit sind wir die einzigen mit einem Fahrzeug. Fussgänger gibt es derweil reichlich.

Kurz vor 9 muss mich dann Gerd verlassen, ich fahre unseren Felix mit allem Papierkram über die Grenze. Tolle Idee, dass das Fahrzeug auf meinen Namen läuft.

Ich fahre durch einige Posten, muss auch noch mal zurück, weil ich nicht kontrolliert hatte, ob ich wirklich aus der Türkei ausgestempelt wurde. Aber auch das lässt sich regeln.

Die iranische Seite ist spannend. Ich kann nichts mehr lesen, aber die Grenzbeamten sind sehr freundlich. Sie kontrollieren unseren Felix und stempeln das Carnet de Passage ab. Ein junger Mann hilft mir die ganze Zeit, läuft vor mir her, wartet mit mir. Ich weiss nicht genau, wie oft ich meinen Pass, mein Visum und mein Carnet zeigen musste. Und da ich die Schilder nicht lesen kann, weiss ich auch nicht, ob ich jedes Mal beim Zoll, bei der Grenzpolizei oder beim Militär war. Aber das spielt für mich auch keine Rolle.

Irgendwann, vielleicht eine Stunde später, habe ich alle Stempel im Visum und im Carnet, treffe Gerd wieder und wir können los. Genau im richtigen Moment (nämlich als der junge Helfer sehr, sehr viel Geld für seine Dienste haben will und wir so gar keine Ahnung haben, wie wir uns verhalten sollen) treffen wir unseren iranischen Freund. Er wird uns die ersten Kilometer begleiten und uns heisse Quellen und unsere erste iranische Karawanserei zeigen.

Ach ja, Erfan: Er hat uns schon im Vorfeld eine Autoversicherung organisiert (unsere deckt den Iran nicht ab) und wird uns in den nächsten Tagen auch noch ein wenig beim Ankommen helfen. Aber dazu später mehr.

Nachtrag: Tage später hören wir, dass man normalerweise Stunden an der Grenze verbringt. Da haben wir wohl Glück gehabt. Auch nach uns kam wirklich kein Fahrzeug. Die Engelkarten haben wohl doch gewirkt.

Fazit

Aufregung war wohl komplett umsonst. Es macht sich eine Wertschätzung gegenüber der einfachen Grenzübergänge in der EU in mir breit. Und: trotz vielem Hin-und-Her sind alle sehr freundlich gewesen.

PS.: Fotos gibt es natürlich keine vom Grenzübergang, aber unser erstes iranisches Foto teilen wir gern.

leben pur

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Grenzübergang Türkei – Iran


Merci fürs «Mitreisen»

Wir reisen in diesen Wochen durch Iran. Möglicherweise werden wir Beiträge nicht oder verspätet schreiben. Wir müssen erst einmal schauen, ob wir genügend Internet oder Empfang haben und ob es für uns passt, aus dem Land zu veröffentlichen. Und ob wir es überhaupt schaffen, all die fantastischen Eindrücke zeitig zu notieren.

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4 Kommentare
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Dirk
Dirk
14 Tage zuvor

Hallo Heike, hallo Gerd,
booaaah ist das spannend! Da bekommt man ja selbst als Unbeteiligter am heimischen Küchentisch Bauchklemmen. Wieso musste Gerd denn zu Fuß über die Grenze und konnte nicht im Felix bleiben? (nicht das ich darauf jetzt eine Antwort von dir möchte!) Man kann eure Nervosität im Vorfeld nur allzugut nachvollziehen. Und dann in der ersten brenzligen Situation nach den Grenzkontrollen mit dem „Helfer“ direkt ein einheimischer Freund an eurer Seite. Wie schön ist das denn, überall nette Menschen zu kennen!
Euch nun eine schöne und unbeschwerte Zeit in diesem mir so unbekannten Land!

Liebe Grüße
Dirk

Heike
Heike
14 Tage zuvor
Reply to  Dirk

Hallo lieber Dirk,

ich hoffe, wir haben dir nicht das Frühstück mit unserem hausgemachten Stress verdorben.

Warum ich fahren musste? Unser Felix ist auf meinem Namen geschrieben, ich bin die Halterin. Und an vielen Grenzen (das war damals nach Georgien ähnlich) darf nur der Halter oder eben die Halterin fahren, alle anderen müssen die Passagier-Lane nehmen.

Das ist ein bisschen schade, da gerade Grenzübergänge ja ein Erlebnis sind, die wir gern miteinander teilen. Aber: es ist, wie es ist.

Nun stürzen wir uns ins Abenteuer und freuen uns auf alles, was kommt.
Liebe Grüsse – Heike

Rachel
Rachel
12 Tage zuvor

Hallo ihr zwei.

Uiuiui, das klingt schon extrem abenteuerlich.

Und hast du deinen „Helfer“ nun bezahlen müssen?
Ich bin sehr gespannt wie es euch dort geht.
Vor allem dir, als Frau.

Und ich bewundere euren Mut.
Ich bin kein Feigling.
Aber das wäre mir dann doch zuviel.
Vor allem kann ich die Klappe nicht halten.
Ich würde dort ziemlich sicher und ziemlich schnell im Knast landen.

Passt auf euch auf!

LG Rachel

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