Iran – Der historische Bazar von Tabriz

Iran – Der historische Bazar von Tabriz

Tabriz ist mit seinen 1,6 Millionen Einwohnern eine eher normale Provinzhauptstadt. Obwohl wir schon stundenlang durch Iran gefahren sind, zeigt ein Blick auf die Karte, dass wir uns immer noch im hohen Norden befinden. Wir nennen es ab sofort: «Kilometer-Jammern».

In der ersten Nacht stehen wir direkt vor dem grossen Bazar, was sich als keine so gute Idee herausstellt. Nächtliches Anklopfen und Passkontrollen wecken uns ständig auf. Am nächsten Tag fahren wir deshalb zu einem Campingplatz, der etwas ausserhalb liegt. Es handelt sich eigentlich nur um einen verschlossenen Parkplatz mit WC und Duschen, die wir jedoch nicht nutzen. Wir finden unser eigenes Badezimmer im Felix-Häuschen sauberer.

Nun zum Basar. Übrigens unterscheiden wir zwischen Basar und Markt: Ein Markt ist hier eher wie ein Supermarkt, wie beispielsweise Edeka oder Migros. Bazare sind echte Erlebnisse, die aus vielen kleinen und grösseren Ständen bestehen. Wir schlendern durch die Gänge und lassen uns von Düften, Farben und Dekoren verzaubern.

Der historische Bazar von Tabriz gehört zu den ältesten und grössten vollständig überdachten Bazaren des Mittleren Ostens und ist zudem UNESCO-Weltkulturerbe. Ich greife gleich mal vor: absolut zu Recht!

Im 13. Jahrhundert erlebte der Komplex seine erste Blütezeit und hatte eine wichtige Position auf der Seidenstrasse. Immer wenn ich bemerke, dass wir uns auf einem Teil der Seidenstrasse befinden, spüre ich ein aufgeregtes exotisches Kribbeln in mir. Wir machen das wirklich, wir sind wirklich im Mittleren Osten, wir sind in Iran und wir sind auf einem Teil der Seidenstrasse! Das war einer unserer grossen Träume. Einmal in den Orient eintauchen!

Der Basar ist nicht nur ein Handelsplatz, sondern auch ein kulturelles, religiöses und soziales Drehkreuz. Innerhalb des Basars gibt es drei Bibliotheken, fünf Bäder und 28 Moscheen. Früher gab es hier auch Schulen.

Wir lassen uns treiben, schlendern durch die langen, ziegelmauerwerkigen Arkadengänge und können nur staunen. Es ist rappelvoll, die Stände quellen über und die Besucher drängen sich. Und das Beste: Es herrscht eine sensationelle Ruhe. Wir werden zwar immer wieder angestarrt, aber niemand versucht uns etwas zu verkaufen. Wenn wir uns an einem Stand etwas anschauen, lächelt man uns freundlich an und im besten Fall werden wir höflich gefragt, woher wir kommen. Wir dürfen alles fotografieren. Wie so oft in diesem Land hören wir «Welcome to Iran» oder «Thank you for visiting our country».

Natürlich verlaufen wir uns hier in den Gängen, aber das ist egal. «Hier mal links?» «Ja, warum nicht?» Nur wenig später biegen wir wieder in eine kleine Gasse rechts ab. Die Männer schieben ihre vollbeladenen Karren durch das Gedränge und rufen immer wieder «Yallah, Yallah!», um sich Platz zu machen. Hin und wieder kommt ein Teeverkäufer vorbei oder es werden frische Tomaten, Gurken oder warme Brote (gern mal über die Schulter oder den Velo-Lenker gestapelt) durch die Gassen getragen. Die Händler scheinen sich darauf zu verlassen, dass sie so versorgt werden.

Für uns ist alles einfach nur fabelhaft, traumhaft, exotisch und ein tolles Erlebnis.

Zum Frühstück hat mich mein Mann dann in eines der wirklich hübschen Cafés in einem der Sārās entführt. Diese sind grosse Innenhöfe, die von ein- oder zweistöckigen Gebäuden gerahmt werden. Wir bestellen typisches persisches Frühstück, trinken Tee mit Safran-Zucker und erfreuen uns an den Gesprächen mit unseren Tischnachbarinnen und den beiden Kellnerinnen. So vertrödeln wir die Zeit, geniessen die Stimmung und wissen gar nicht, was wir als Nächstes tun sollen.

Also wieder rein ins Geschehen, das gar kein Getümmel ist, sondern eher einem organischen Fluss gleicht. Wir erfahren, dass die Preise innerhalb des Marktes tatsächlich deutlich günstiger sind als in anderen Geschäften der Stadt. Das ist uns jedoch gleichgültig, da wir nichts brauchen und auch nichts kaufen wollen.

Am Ende kaufen wir dann doch etwas Kleines: ein neues Täschchen für die vielen Banknoten, die wir hier brauchen. Weder Gerds Portemonnaie noch irgendeine kleine Börse, die wir dabei haben, reicht für die Millionen aus. Wir finden ein hübsches, buntes, orientalisches Mäppchen mit Reissverschluss für unseren gesamten Reichtum. Wir haben etwa 100 Dollar getauscht und unsere 4,5 Millionen Rial in bar werden bei den Preisen hier auch nicht wirklich weniger.

Am späten Nachmittag sitzen wir in unserem Felix, essen viel zu früh Abendessen und fallen dann, vollgefüllt mit so vielen neuen Eindrücken, rasch ins Bett. Morgen muss ich arbeiten, das tut uns beiden gut. Ein Tag ohne viele Eindrücke und einfach nur Ruhe.

PS.: Sorry für die vielen Bilder. Die Auswahl fällt uns hier in Iran so wahnsinnig schwer. Und es soll ja auch unser eigenes Erinnerungstagebuch sein. Aber wir hoffen, dass euch die Bilder neben den Geschichten auch einen guten Einblick in unsere reisewelt gibt.

leben pur

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Merci fürs «Mitreisen»

Wir reisen in diesen Wochen durch Iran. Möglicherweise werden wir Beiträge nicht oder verspätet schreiben. Wir müssen erst einmal schauen, ob wir genügend Internet oder Empfang haben und ob es für uns passt, aus dem Land zu veröffentlichen. Und ob wir es überhaupt schaffen, all die fantastischen Eindrücke zeitig zu notieren.

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Dirk
Dirk
18 Tage zuvor

Liebe Heike,
vielen lieben Dank für diese wunderbaren Eindrücke heute wieder!
Bei eurer Schilderung über das erste Tankerlebnis mussten Maria und ich schon ganz schön schlucken. Ich kann mir noch nicht so ganz vorstellen, dass uns mal eine Reise in den Orient führt. Wenn aber, ob wir uns mit einem solchen Gedanken abfinden können an so einer wichtigen Sache (Ausländer dürfen keinen Diesel kaufen) unbedingt auf fremde Hilfe angeweisen zu sein, pooaahh….
Wir freuen uns auf Weiteres aus eurem Abenteuer!
Dir noch nachträglich alles Liebe zum Geburtstag!

Liebe Grüße
Dirk

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