Italien – Die schönste Tropfsteinhöhle der Welt, die Grotte di Castellana

Italien - Die schönste Tropfsteinhöhle der Welt, die Grotte di Castellana

Längerer Beitrag - schneller Überblick:

Jahrelang haben wir uns über die Superlative der Regionen lustig gemacht. Hier die grösste, dort die schönste. Wieder woanders die längste oder die tiefste. Was immer sich steigern lässt, die Marketingabteilungen der Regionen steigern es.

In Apulien gibt es Tropfsteinhöhlen, lesen wir. Nichts von höher, grösser, weiter. Vor der Tür diskutieren wir noch, ab wann sich eine knapp zweistündige Tour zu einem ziemlich hohen Preis wirklich lohnt. Und entscheiden: Heute ist Sonntag, wir machen es!

Und wir werden es nicht bereuen. Wir folgen dem englischsprachigen Führer von Höhlenraum zu Höhlenraum. Und sind fasziniert. Begeistert. Und lassen uns zu der Aussage hinreissen, dass dies die beeindruckendste, schönste, wunderbarste, bezauberndste und spektakulärste Tropfsteinhöhle ist, die wir bisher in unserem Leben gesehen haben. (Und ich muss zugeben, dass ich zumindest viele kenne, ich «musste» früher mit meinem Papa ständig irgendwelche Höhlen besuchen, als Kind fand ich das weniger spannend).

Fotografieren ist nur im ersten Raum erlaubt, warum, will man uns nicht sagen. Wahrscheinlich wegen der Blitze und der Photosynthese, die bei Licht stattfindet. Hier sei unserer Tochter gedankt, von ihr habe ich das abgenutzte, für sie alte, für mich supermoderne iPhone bekommen, das auch bei wenig Licht zauberhafte Bilder macht. Natürlich muss ich heimlich fotografieren, ich Rebellin, ich. Lasse mich ein wenig zurückfallen. Nur um von der Führerin der nächsten Gruppe erwischt zu werden.

Also, die Höhle:
Diese Höhle erstreckt sich über 3.348 Meter und erreicht eine maximale Tiefe von 122 Metern unter der Erdoberfläche. Mit einer Durchschnittstemperatur von 16,5°C war es für uns dort unten normales «Winterwetter». In der Eingangshöhle klafft ein riesiges Loch in der Decke, das auch von aussen zu sehen ist.

Die von aussen sichtbare Einsturzstelle der sogenannten Grotte löste bei den Menschen seit jeher Angst aus. Besonders in der Abenddämmerung stiegen Nebelschwaden aus dem Abgrund auf, was bei abergläubischen Passanten die Vorstellung weckte, dass hier Seelen gefangen seien, die vergeblich versuchten, zum Himmel aufzusteigen.

Karst (das Wort Karst kommt vom slawischen Wort kar, das Stein oder Fels bedeutet) bezieht sich auf die auflösende Wirkung von Regenwasser auf Kalkstein. Die Höhlenbildung begann vor 65 Millionen Jahren mit der Auflösung des Kalksteins durch Wasser. Die Brüche im Gestein bildeten Kanäle, die sich immer weiter ausdehnten. Einstürze reduzierten die Dicke des Gesteins, bis schliesslich die Höhle entstand.

Stalaktiten & Stalagmiten

Jetzt kommt das Wichtigste: Wie merkt man sich, was Stalaktiten und was Stalagmiten sind? Welche wachsen von oben und welche von unten? Natürlich habe ich gefragt, weil ich mir das als Kind schon nie merken konnte. Wir lernen: Von der Form: StalakTiten wachsen von oben wie ein grosses T, StalagMiten von unten wie ein grosses M. Dabei lächelt er verschmitzt und erwähnt nebenbei, dass es noch schlüpfrigere Eselsbrücken gäbe. Ich frage nicht weiter, ich hab genug eigene Fantasie.

Die Grotten von Castellana sind bekannt für ihre beeindruckenden Tropfsteinformationen, die über lange Zeiträume durch Kalkablagerungen entstanden sind. Das Wasser, das in die Höhlen tropft, hinterlässt Ablagerungen aus Kalziumkarbonat, die entweder Stalaktiten an der Decke oder Stalagmiten am Boden bilden. Im Laufe der Zeit können diese Gebilde zu Sintersäulen zusammenwachsen. Es gibt auch andere Arten von Tropfsteinen wie Mondmilch, Sintervorhänge, Höhlenpopcorn, Calcitkristalle und Höhlenperlen. Besonders interessant sind die Heliktite, die anders als normale Tropfsteine wachsen und spektakuläre Formen bilden.

Fledermäuse

Die Höhlen beherbergen auch eine Vielzahl von Tieren, darunter Asseln, Pseudoskorpione, Karabinerkäfer und fünf Fledermausarten. Die Zahl der Fledermäuse wird auf 100 bis 150 geschätzt. In den 70er Jahren waren es riesige Schwärme, aber leider haben die vielen Besucher (15 Millionen seit der Eröffnung der Höhle!) sie ziemlich vertrieben.

Waren wir anfangs noch sehr skeptisch, wie man da unten knapp 2 Stunden verbringen kann, so sind wir auf dem Rückweg durch die Höhle nur noch gehetzt. Es gab so viel zu sehen, zu bestaunen, dass ich am liebsten jede einzelne Kristallwelle, jedes Kunstwerk der Natur einzeln betrachtet hätte. Am liebsten wäre ich in aller Ruhe durch die Höhle geschlendert. Aber: Hier herrscht ein strenges Zeitregime, das eingehalten werden muss. Was soll man machen, bei so viel Schönheit und zu wenig Sauerstoff da unten hat jede Gruppe nur ihr eigenes Zeitkontingent.

Die Grotte di Castellana: unbedingt empfehlenswert!

PS.: Alle Fotos sind «aus der Hüfte» geschossen, ohne Blitz und ohne extra Beleuchtung. Also nix mit Zerstörung und so. Einfach Langzeitbelichtung mit dem Smartphone.

Italien - Die schönste Tropfsteinhöhle der Welt, die Grotte di Castellana
Italien – Die schönste Tropfsteinhöhle der Welt, die Grotte di Castellana


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4 Kommentare
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Christoph Kappeler
Christoph Kappeler
10 Monate zuvor

Hallo Heike
Danke für den Bericht von eurem Besuch in der „Schönsten Tropfsteinhöhle“. Wir alle haben unsere persönlichen „Best of“. Meine schönste Tropfsteinhöhle sind die Prometheus Caves in Imeretien. Die von Stalaktiten*miten geschaffenen Naturwerke ähneln sich.

Herzliche Grüsse
Christoph

Rachel
Rachel
10 Monate zuvor

Guten Morgen Du heimliche Fotografin. 😉
Bestimmt ist’s deshalb verboten, weil du so schöne Fotos machst, dass man selber nicht mehr hinfahren muss. 😂
Es geht wohl – wie immer – ums Geld.
In dem Fall Eintrittsgelder. 😉

Dankeschön für den schönen Ausflug.

Ich merke es mir so:
„titen“ hängen nach unten da fehlt ein „t“. 🤣
Dann kann das andere nur umgekehrt sein.

Liebe Grüße vom Racheli

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