Türkei – Die beste italienische Pizza im aramäischen Teil der Südosttürkei

Türkei – Die beste italienische Pizza im aramäischen Teil der Südosttürkei

Alles begann so: Die Oma des Babys, das ich gleich nach der Geburt besuchen durfte, erzählte in bestem Deutsch, dass sie und ihre Familie eine Pizzeria hätten. Bei Pizza und Türkei denkt man natürlich sofort an Pide und ich bin ehrlich: Ich dachte, aha, schön. Mehr nicht.

Aber unsere Freunde erzählen uns von der besten Pizza der Welt, anscheinend reist man aus der ganzen Welt in die Bergregion südlich von Midyat. Die Stadt und die umliegenden Dörfer waren einst von Aramäern besiedelt. Heute ist die Bevölkerung überwiegend arabisch und kurdisch.

Trotz ihrer langen Geschichte als älteste ethnische Minderheit der Türkei sind die Aramäer (tr. Süryaniler) in der türkischen Öffentlichkeit und Politik kaum präsent und weitgehend unbekannt. Ihre Geschichte ist eng mit der Türkei verbunden, vor allem im Südosten, wo ihre kulturellen Spuren sichtbar sind. Seit dem 14. Jahrhundert v. Chr. bewohnen aramäische Christen das Gebiet zwischen Euphrat und Tigris, das «Zweistromland», wie ich es in der Schule gelernt habe, das Teile der heutigen Türkei, Syriens und des Irak umfasst. Ihr Ursprungsgebiet ist die Hochebene Tur Abdin bei Mardin im Südosten der Türkei. Heute leben schätzungsweise 20.000 aramäische Christen in der Türkei, davon 12.000 in Istanbul. Ihre Zahl könnte sich in letzter Zeit durch Kriegsflüchtlinge aus Syrien erhöht haben.

Zurück zur Pizza: Natürlich wollten wir sowieso durch diese bergige und einzigartige Gegend fahren, warum also nicht gleich zur Essenszeit? Kilometerlang fahren wir durchs Nichts bis nach Elbeğendi. Nur um wenig später in einem Dorf mit ca. 50 Einwohnern viele, viele parkende Autos zu sehen. Kreuz und quer parken sie vor Kafros Pizzeria. Auch für unseren Felix finden wir ein Plätzchen und schon stehen wir in einem schönen, rustikalen und grossen Gastraum. «Ihr seid aus Bern, ja?» werden wir in bestem Deutsch angesprochen. «Setzt euch, die Pizza Mia ist unsere Beste.» Okay, dann bitte zweimal Pizza Mia.

Während wir auf unsere Pizza warten, erzähle ich Gerd die Familiengeschichte. (Ich hatte offensichtlich in der Nacht mit dem Baby viel Zeit zum Zuhören.) Sie sind vor vielen Jahren aus dieser Gegend nach Deutschland und in die Schweiz gegangen (geflüchtet? Ich weiss es nicht genau). Und als die zweite Generation ins Rentenalter kam, habe man sich entschlossen, in die Heimat zurückzukehren und dort noch «ein bisschen» zu arbeiten. Herausgekommen ist eine wirklich italienisch anmutende Pizzeria. Mittlerweile arbeitet hier wohl die ganze Familie und das halbe Dorf. Es herrscht geschäftiges Treiben und die Pizzen, die aus dem Holzofen kommen, sehen alle sehr lecker aus.

Auch unsere Pizza Mia schmeckt köstlich. Im Hintergrund trällert leise Eros Ramazotti (auch eine Seltenheit in der Türkei: leise Musik und Eros…), um das italienische Flair zu unterstützen. Wenn ich kurz die Augen schliesse, bin ich in Italien. Vielleicht am Gardasee?

Die Aramäer gehören zu den semitischen Völkern und sprechen eine semitische Sprache, die eng mit dem Hebräischen verwandt ist. (Ich durfte sie schon im Krankenhaus hören, ein ganz neuer Klang für meine Ohren.) Das Kalksteingebirge Tur Abdin, auf Aramäisch «Berg der Gottesknechte», ist seit 1700 Jahren geistliches Zentrum der Christen vor Ort. In dieser Region blühten einst 80 Klöster der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien, von denen heute nur noch sieben aktiv genutzt werden.

Nach unserer Pizza lassen wir uns noch ein wenig durch die wunderschöne Gegend treiben, bestaunen bizarre Felsformationen, stehen vor verschlossenen Klöstern und als nach einer Stunde die Strasse in einem Schlammbad endet, kehren wir notgedrungen um. Google weiss viel, aber knietiefe Schlammpfützen, die Felix fest umklammern würden, kennt es leider noch nicht.

Quellen: https://renk-magazin.de/die-aramaeer-der-tuerkei/ & https://www.kafrospizzeria.com/ & https://www.instagram.com/kafros_pizzeria/

leben pur

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Wir reisen in diesen Wochen durch Iran. Möglicherweise werden wir Beiträge nicht oder verspätet schreiben. Wir müssen erst einmal schauen, ob wir genügend Internet oder Empfang haben und ob es für uns passt, aus dem Land zu veröffentlichen. Und ob wir es überhaupt schaffen, all die fantastischen Eindrücke zeitig zu notieren.

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2 Kommentare
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Dirk
Dirk
20 Tage zuvor

Hallo ihr Lieben, eure Fotos wieder so schön. Aber ganz besonders eure persönlichen Begegnungen! So lernt man wirklich Land und eben vorallem Menschen kennen. Schön einwenig mitzuerleben was euch widerfährt und wie ihr dies aufsaugt.

Liebe Grüße
Maria und Dirk

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