Türkei – Die schönste Strasse der Türkei

Türkei – Die schönste Strasse der Türkei

Wir wachen in Cizre am Ufer des Tigris auf. Einen Wecker brauchen wir nicht, das erledigen die Hunde draussen. Ein letzter Blick auf diesen schönen und mächtigen Fluss. «Tschüss Tigris!» denken wir. Da wissen wir noch nicht, dass alles noch einmal anders kommt.

An dieser Stelle wäre es angebracht, von unserem Vorhaben zu berichten. Wir wollten genau diese wunderschöne D400, die entlang der syrisch-türkischen und später irakisch-türkischen Grenze durch ein raues und zugleich beeindruckendes Gebirge führt. Rechts der Strasse ein kleiner Grenzfluss, rechts des Flusses dann Syrien und später Irak. Wir passieren einige türkische Polizeikontrollen, aber die meisten winken uns einfach durch, vielleicht weil heute Sonntag ist.

Die Strasse ist fast leer. Das wundert uns nicht, denn wer will hier fahren, wenn er nicht gerade in einem der abgelegenen Bergdörfer wohnt oder Tourist ist?

Bis zur iranischen Grenze sind es etwas mehr als 500 Kilometer, das sollte in ein bis zwei Tagen zu schaffen sein. Am Strassenrand sehen wir immer wieder Menschen, Jung und Alt, die uns zuwinken. Man freut sich sichtlich, wenn Gäste vorbeifahren. Entgegenkommende Autos Licht-hupen. (Wir denken immer noch, dass wir gegrüsst werden.) Nach etwa 200 Kilometern überlege ich laut, wenn es hier irgendwo eine Teestube gäbe, wäre ich für einen Tee zu haben.

Wenig später – man muss wirklich aufpassen, was man sich wünscht – winken uns eine Menge Männer zu. Die Männer sehen in ihrer traditionellen Kleidung schon sehr speziell aus. Weite Pluderhosen, ein verzierter, breiter Gürtel, der aussieht, als wäre er aus einem Teppich geschnitten. Dicke Wolljacken, auf den Köpfen gebundene Tücher. Es ist kalt hier in den Bergen, seit Tagen schneit es, die Sonne wagt sich nur selten hervor.

Sie winken uns zu, bedeuten uns anzuhalten. Und mit Handzeichen und dem einzigen Wort, das sie wohl auf Englisch können: «Closed!» Alle Blicke und auch alle Finger zeigen auf den letzten Pass, der vor uns liegt und den wir noch nehmen müssten. Danach wären wir in der Hochebene von Hakkari (warum nur denke ich immer an Harakiri?) und könnten gemütlich zur Grenze fahren.

Das war ein Satz mit X!

Während die Herren, die alle aus den kleinen Minibussen ausgestiegen sind, sich wohl oder übel eine Bleibe suchen müssen, kehren wir um. Ja, die Strasse ist wunderschön. Und ja, ich habe mir auch während der Fahrt gewünscht, diese Strecke noch einmal zu fahren. Aber ich dachte an den Sommer, ohne Schnee.

Wir ändern die Angaben in unserem Navi, lesen, dass es jetzt nochmal über 600 Kilometer sind. Nun, was bleibt uns anderes übrig? Wir nehmen den kleinen Umweg. Werden wir wohl eine Woche später im Iran sein, schliesslich müssen wir jetzt noch die Arbeitstage in der Türkei verbringen.

Gerd wendet unseren Felix und in einem der Dörfer, die wir inzwischen kennen, halten wir an, essen und trinken, machen Pause. So ist das auf Reisen. Wir fragen den Kellner mit Google Translate, wie lange er glaubt, dass die Strasse noch gesperrt ist. Er fragt laut in die Runde, ein paar Busfahrer rufen eine Antwort über die Gäste hinüber und schon wissen wir: na mindestens zwei Tage. Vielleicht auch drei. Oder länger. So sei das hier eben.

Na gut, weiter geht’s. Oder besser: zurück. Schöne Strassen sind doch von beiden Seiten schön, oder?

Das Schneegestöber, dem wir heute Morgen noch schnell entkommen sind, trifft uns nun mit voller Wucht! Die Polizeikontrollen grüssen uns wie alte Bekannte, verziehen sich aber in ihre beheizten Zelte. Klar, das würde ich auch machen.

Irgendwann lassen wir den Schnee hinter uns, biegen Richtung Norden ab, überqueren unglaublich schöne Gebirgszüge (und ich erinnere mich an die Beschreibungen im «wilden Kurdistan») und finden kurz vor Sonnenuntergang einen Platz, der sich bei Licht betrachtet als Goldschatz entpuppt.

leben pur

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Merci fürs «Mitreisen»

Wir reisen in diesen Wochen durch Iran. Möglicherweise werden wir Beiträge nicht oder verspätet schreiben. Wir müssen erst einmal schauen, ob wir genügend Internet oder Empfang haben und ob es für uns passt, aus dem Land zu veröffentlichen. Und ob wir es überhaupt schaffen, all die fantastischen Eindrücke zeitig zu notieren.

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Uwe & Bianka
19 Tage zuvor

Herrlich, die schneebedeckte Berglandschaft! Schade, dass Ihr umkehren musstet. Wir hoffen, dass Ihr trotzdem gut im Iran angekommen seid.

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