Tunesien – Ein Tag ohne Museum ist ein guter Tag. Dennoch: Museum in El Kef

Tunesien – Ein Tag ohne Museum ist ein guter Tag. Dennoch: Museum in El Kef

Am Morgen nehme ich Gerd in den Arm, frage ihn, wie es mit der Liebe zu mir sei und ob diese Liebe auch kleine oder grössere Erschütterungen oder Abweichungen überstehen würde. Schlaftrunken und ohne zu wissen, was auf ihn zukommt, bejaht er meine Frage. 

Gut so. Ich drehe mich um, lächle und schaue tief in meine dampfende Kaffeetasse. Das macht ihn misstrauisch. «Duhhhuuuu, warum hast du das gefragt?» «Ach, einfach so!»

Beiläufig erwähne ich, dass wir jetzt auf der römisch-antiken «Vergnügungsstrasse» fahren und dass Sbeitla und Makhta erst der Anfang einer wunderbaren Strecke sind. Er ahnt, was jetzt kommt und fügt sich in sein Schicksal. «Okay, dann lass es uns schnell machen, vielleicht schaffen wir heute noch etwas Antikes».

Gesagt, getan: Wir navigieren Felix nach El Kef.

Im Museum für Volkskunst und Tradition bekommen wir eine kleine Privatführung. Bestaunen Hochzeitskleider und antiken Schmuck. Tauchen ein in die Handwerkskunst und weil der Guide sein Handwerk wirklich versteht, erklärt er uns immer wieder Details aus dem Koran. Wie das mit den Frauen und Männern ist, warum nur die Touristen Fatimas Hand sagen und die Muslime eigentlich nur Hand. 

Der arabische Name kommt von den fünf Fingern der geöffneten Handfläche. Die Zahl fünf selbst kann eine Schutzfunktion haben oder als Drohung verwendet werden, der Fluch chamsa fi aïnek («fünf in dein Auge») kann zugleich den bösen Blick abwenden. 

Seit Hammamet haben wir die «Hand» dabei, natürlich! Wir nehmen alle Schutzmöglichkeiten mit, die es gibt.

Genau genommen ist Felix jetzt schon ein riesiges Schutz-Requisiten-Transportmittel. Sicher ist sicher, oder?

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Wir schlendern weiter durch die Medina, erreichen die osmanische Kasbah (eine alte Festung hoch über der Stadt), begehren Einlass und bekommen ihn. Wieder sind wir allein. Unser freundliche Türöffner bemerkt unsere Neugier und zeigt uns die wichtigsten Ecken der Festung. Aha, hier Militär. Dort Militär. Hier ein Überfall, dort ein Überfall. 

Da man von hier aus bis zur algerischen Grenze sehen kann, wurde der Blick natürlich zur Verteidigung genutzt. Mal von den Osmanen, die Deutschen waren auch hier, die Franzosen. Und wahrscheinlich noch ein paar andere Eroberer.

Mohammed, unser Türöffner, fummelt an einem rostigen Riesenschlüssel herum und öffnet eine verbogene, verriegelte Tür. Er gibt ihr noch einen Tritt und lädt uns ein, den verfallenen, nicht restaurierten Teil der Festung zu betreten. Achtung, nicht hier entlang, Einsturzgefahr, aber ja, hier kann man laufen! Achtung, die Treppe hat nicht mehr alle Stufen, bitte vorsichtig!

Er scheint viel über die Geschichte der Festung zu wissen und redet ohne Ende. Gerd kommt mit dem Übersetzen nicht hinterher und irgendwann lässt auch mein Interesse an Militärgeschichte etwas nach. Erst als er erzählt, dass hier oben im Sommer immer ein Jazzfestival stattfindet, bin ich gedanklich wieder dabei.

In der Medina lassen wir uns dann auf einen Kaffee nieder, die hiesigen Katzen leisten ganze Arbeit und gesellen sich zu uns. Lassen sich kraulen und erfüllen ihre touristische Aufgabe hervorragend. 

Was für ein schöner Abschluss in El Kef.

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Merci fürs «Mitreisen»

Wir reisen in diesen Wochen durch Iran. Möglicherweise werden wir Beiträge nicht oder verspätet schreiben. Wir müssen erst einmal schauen, ob wir genügend Internet oder Empfang haben und ob es für uns passt, aus dem Land zu veröffentlichen. Und ob wir es überhaupt schaffen, all die fantastischen Eindrücke zeitig zu notieren.

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