Schweiz – Eisschollen & Summervibes

Schweiz – Eisschollen & Summervibes

Am Abend vor unserem kleinen Mädels-Wochenendtrip sitzen wir mit Freunden zusammen. Wohin fahren wir? Einfach so übers Wochenende? Die Vorschläge sprudeln nur so aus ihnen heraus! In den Jura, an den Genfersee. In Interlaken soll es hageln, im Berner Oberland stürmen. Im Wallis gibt es Unwetterwarnungen. Nach Bern an die Aare.

Na toll, die Schweiz ist zwar klein, aber es gibt tausend Ideen für ein schönes Wochenende. Wir schauen uns an und schnell ist klar: Heute entscheiden wir nichts mehr. Morgen früh schauen wir auf die Wetter-App und fahren der Sonne hinterher. Insgeheim hoffe ich, dass wir nicht bis nach Süditalien fahren müssen.

Der Morgen bricht an, Gerd zieht aus Felix aus und Regi, unsere liebe Freundin, ein. Der Blick auf die Wetter-App ist eindeutig: Wenn wir bis 11 Uhr oben auf dem Grimselpass sind, soll es sonnig bleiben. Ab Mittag dann Regen. Gut für ein Mittagsschläfchen. Und den Abend verbringen wir sowieso mit einem tollen, aber verlorenen Fussballspiel «unserer» Nati.

Also: Grimselpass. Es ist beschlossene Sache, früh rollen wir los, vorbei am wunderschönen Thunersee, weiter zum Brienzersee. Ein Mini-Fotostopp und weiter geht’s nach Meiringen. Wir schlendern durch das Städtchen, füllen unsere Einkaufstaschen mit bestem Alp-Chäs-Fondue, Ruchbrot und hausgemachtem Joghurt aus der Molki Meiningen. Wir bummeln durch Woll- und Unverpackt-Läden und fühlen uns wie in den Sommerferien.

Die Sonne scheint noch, also geht es an der Aareschlucht vorbei zur Grimselpassstrasse.
«Oh, ich war noch nie im Grimsel Hospiz!», ruft sie. «Das kannst du vergessen, viel zu teuer und wirklich nichts für uns, ausserdem keine Parkplätze!», antworte ich. Heute ist es wohl an der Zeit, mit Vorurteilen aufzuräumen. Denn heute kann ich unseren Felix sogar auf den Parkplatz des Grimsel-Hospiz-Hotels lenken (war früher immer zu) und wir geniessen Früchtekuchen und eine heisse Ovomaltine mit spektakulärem Blick auf den Grimselsee.

Hier, am Aaregletscher, entspringt unsere geliebte Aare. Die dann ziemlich weit unten in den Rhein mündet. Ich stelle mir vor, ich werfe ein Zettelchen mit einer kleinen Flasche in den See und jemand in Basel, Köln oder Utrecht könnte dann meine Nachricht lesen. Das wäre doch lustig. Aber dann kommt uns der erste Regenschauer in die Quere, und statt einen Brief in die Welt zu schicken, rennen wir zum Felix, um nicht ganz durchnässt zu werden.

Nun, das Grimsel Hospiz ist immer noch luxuriös, aber für eine gemütliche Kaffeepause wirklich empfehlenswert. Lektion gelernt: Vorurteile sind unnötig.

Noch ein paar Serpentinen (oder Kehren, wie man hier sagt), dann der Grimselpass. Die Sonne versteckt sich hinter dicken Wolken. Und leider versteckt sich auch alles andere in dicken Nebelschwaden. Zeit für eine gemütliche Pause. Käse aus dem Molki, übrig gebliebenes Gemüse und Gerds Chipsreste (Entschuldigung, ich kaufe dir neue!) sorgen für eine pompöse Mittagspause.

Wenig später lasse ich die Stricknadeln klappern, Regi die Augen zufallen. «Ich mache ein kleines Nickerchen, eine Viertelstunde oder so.» Raum und Zeit dehnen sich bekanntlich, aus dem Viertelstündchen werden drei Stunden und pünktlich zum von der Wetterapp versprochenen Verschwinden der Wolken um 17 Uhr stapfen wir los, erkunden die Passhöhe.

«Ja, nach Norwegen wollte ich schon immer mal. So muss es in den eisbedeckten Fjorden aussehen!» Ich lasse sie im Glauben, dass es in Norwegen so aussieht, wir geniessen beide die halbe Stunde ohne Regen und bestaunen sogar noch die Wasserscheide. Rechts fliesst alles Richtung Nordsee, links Richtung Mittelmeer. Kurz noch einmal die Gedanken an den Brief, aber auch hier holt uns der Tagesstress wieder ein: Wir müssen unseren Felix für das Abendprogramm umparkieren: Fondue, Fussballspiel (dass ich das mal freiwillig anschaue, wundert mich; aber für Freundschaften muss man auch mal Opfer bringen) und Übernachtung hoch oben auf dem Pass.

Der Käse blubbert im Caquelon, die Schweizer Nati kickt sich in unsere Herzen und unsere Heizung bollert seit Monaten mal wieder. Und ich, die eigentlich keinen warmen Käse verträgt, liege nach einer halben Portion flach. Und geniesse die gemeinsame Zeit. Meine Trauer über das verlorene Spiel hält sich in Grenzen, ich finde sowieso jeden Sport doof, bei dem man verliert. Die Verlierer tun mir dann immer leid. So wie ich früher immer den letzten Weihnachtsbaum gekauft habe, den sonst keiner wollte. Der hat mir auch immer leid getan und hat dann bei uns ein Zuhause gefunden.

Das Gute an schlechtem Wetter auf Schweizer Pässen ist, dass die ganzen Motorrad- und Porschefahrer nicht stundenlang an uns vorbei dröhnen. So schlafen wir hier oben in völliger Stille. Nur ab und zu hören wir dankbar das leise Blubbern unserer Heizung, denn 7 Grad draussen sind 7 Grad draussen und nicht gerade sommerlich.

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