Abschied vom öffentlichen Blog – Warum wir uns für Privatsphäre entscheiden

Abschied vom öffentlichen Blog – Warum wir uns für Privatsphäre entscheiden Lesedauer etwa 7 Minuten.

Dieser Beitrag fällt mir nicht leicht. Und doch ist er einer der wichtigsten, die ich in den letzten Wochen und Monaten geschrieben habe. 

Wie fange ich an? Am besten mit der Hauptinformation: Wir werden hier auf diesem Blog nicht mehr öffentlich weiterschreiben. Warum wir uns dazu entschieden haben, erkläre ich gleich. 

Es gibt dennoch eine Möglichkeit, unserer Reise zu folgen. Dazu weiter unten mehr. 

Tech-Affinität oder doch Tech-Abhängigkeit? 

Beides, ganz klar. Aber fangen wir am Anfang an. Im Sommer 2022 haben wir überlegt, ob wir unsere Reise weiter auf Social Media teilen wollen. Wie die meisten wissen, haben wir uns damals dagegen entschieden – keine Inhalte mehr auf Social Media. Die Gründe habe ich damals ausführlich beschrieben. Das ist der Beitrag von damals: leben-pur.ch/irland-tschuss-instagram

Wenn ich ihn heute lese, empfinde ich dasselbe wie damals. Unsere Haltung hat sich nicht verändert. Wir stehen zu unserer Entscheidung, zumindest was das Teilen eigener Inhalte auf Social Media angeht. 

Warum schliessen wir jetzt diesen Blog? Schon lange beschäftigt uns, dass wir zu viel Privates preisgeben. Auf einem Reiseblog ist es schwer, nur Fakten zu teilen – ohne Vorlieben, Haltungen und ohne die Persönlichkeitsrechte von Freunden und Familie zu berühren. 

Beruflich wie privat haben wir uns viel mit KI befasst. Je länger wir darüber nachdenken, desto mehr erschreckt sie uns. Wir spüren deutlicher denn je, was zählt: im Moment sein, schöne Augenblicke mit Menschen teilen, das echte Miteinander. Was nicht zählt: immer schneller werden, immer mehr im Aussen sein, immer effizientere Abläufe produzieren. Beruflich brauchen wir das Tempo noch – unsere Branche, das Publishing, ist gerade im Umbruch. Um KI kommen wir da nicht herum. Privat aber wollen wir möglichst offline leben. 

Was heisst das für uns? Natürlich nutzen wir weiter Navigations-Apps und alles, was unsere Reise organisiert. Aber wir wollen weniger lesbar sein – sprich: weniger auslesbar. Wir möchten nicht mehr von uns preisgeben als das, was unsere Geräte ohnehin verraten. Das ist schwer genug, wir sind daran gewöhnt. Doch wir spüren: Es könnte sich lohnen. Also versuchen wir es mal. Und wie immer gilt: es ist ein Weg, der erst beim Gehen das wirkliche Ziel bestimmt.

Nach aussen oder nach innen? 

Diese Frage begleitet uns seit Langem. Und wir sind lange um die Antwort herumgeschlichen.

Zuvorderst schrieben und schreiben wir für uns. Denn all diese wunderbaren Momente kann sich ja kaum jemand merken, selbst wenn man dabei war. Und selbst, wenn man sich viel merken kann. So haben wir einfach mal alles verarbeitet, alles sortiert, alles nochmal durchlebt. Uns an allem erfreut und uns gesagt, dass wir hiervon zehren werden. Jetzt und vermutlich auch später.

Tief innen wussten wir: Das «nach aussen» geht auch auf den Wunsch nach Anerkennung zurück. Denn es gibt für uns keinen sinnvollen Grund, das eigene Leben oder einen Teil davon sonst auf einer Webseite zu präsentieren. (Okay, manche finanzieren sich dadurch, jene haben natürlich einen Grund.) Natürlich haben wir uns gefreut, dass wir Menschen inspirieren, dass wir sie erfreuen. Wir haben sogar erlebt, dass einige dank unserer Erfahrungen in Länder gereist sind, die sie vorher gemieden hätten. 

Auf unserer Reise – vor allem durch unseren Reiseblog – sind wunderbare Freundschaften und Bekanntschaften entstanden. Einen Shitstorm erlebten wir nie. Unsere Community ist liebenswert, freundlich, zugewandt. Genau das machte die Antwort auf die Frage, warum wir überhaupt nach aussen gehen, so schwer. Wenn alle um uns herum nett sind und freundlich kommentieren, dann scheint das, was wir tun, nur gut sein zu können. 

Und doch sagt uns eine innere Stimme: Der Wunsch nach Anerkennung – für das, was wir tun, vielleicht auch nur für das, was ich schreibe, wie ich schreibe, für die Fotos von Gerd oder für die Ausdauer, regelmässig zu schreiben – dieser Wunsch war lange ein kleiner Antrieb in uns. Also stellten wir uns die Frage: Warum eigentlich? Da merkten wir, wie vieles wir nicht getan hätten, hätten wir es nicht dokumentiert. Besonders am Anfang, beim Start und in der Vorbereitung unserer Reise. Aber die Antwort gilt heute nicht mehr.

Damals war die Dokumentation – erst auf Social Media, später hier – ein Antrieb. Das hat sich richtig angefühlt. Dafür sind wir dankbar. Und wenn wir heute die alten Beiträge lesen, sind wir glücklich, dass wir das alles festgehalten haben. 

Jetzt aber, wenn wir in uns hineinhorchen, merken wir: Die Zeit hat sich geändert. Wir wollen weiterreisen, ja. Aber wir haben kein Bedürfnis mehr, öffentlich zu dokumentieren. Ein kurzer Einschub: Die Freude, die wir empfinden, wenn wir andere Reisende auf ihren Blogs begleiten, ist ungebrochen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es anderen mit unseren Texten ähnlich geht. Und doch habe ich gemerkt: Es darf anders werden. 

Ich werde unsere Reise nur noch für uns dokumentieren. Für uns – und vielleicht in einer Übergangsphase für die Menschen, die ausdrücklich Interesse bekunden. Für sie könnten wir uns einen passwortgeschützten Bereich vorstellen. 

Reisen wird weniger präsent in unserem Leben. 

In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir viel über unsere Wohnung und unsere Teil-Sesshaft-Werderei nachgedacht, mit Handwerkern und Architekten zusammengesessen. Wir freuen uns sehr: Ende 2026 werden wir wieder eine Homebase haben. Wir hoffen, dass wir viele Erinnerungen und Mitbringsel aus sechs Jahren Reise in dieser Wohnung verankern können. 

Die Idee ist, zu sehen, wie sich das entwickelt: vielleicht halb reisen, halb zu Hause sein. 

Interessant: Während ich das schreibe, nutze ich zum ersten Mal das Wort «zu Hause». Bisher war es «die Wohnung». Als ich es jetzt schrieb, fühlte es sich richtig gut an, «zu Hause» zu sagen. Wir werden weiterreisen. Unsere Neugier auf die Welt ist ungebrochen. Aber einen Teil des Jahres verbringen wir ab 2026 daheim. Das ist gerade ein wunderbarer Blick auf die nächsten Jahre. 

Start als Tagebuch der schönen Momente. 

Wer sich von einem grossen Projekt verabschiedet, denkt an den Anfang. Ich sehe uns noch vor etwa zehn Jahren über Felder gehen, auf Feldwegen streifen, an kleinen Flüssen entlang. Damals dachten wir: Wir könnten ein Dankbarkeits-Tagebuch beginnen. Es war eine Zeit voller negativer Nachrichten. Vielleicht haben wir zu viel ferngesehen und zu viel Zeitung gelesen. Gut möglich. 

Uns half es, abends zu überlegen, welche Dinge an diesem Tag schön waren. Als Menschen aus der grafischen Industrie – visuell geprägt – fiel es uns leicht, diese Momente zu fotografieren und mit ein paar Worten zu benennen. Nach Wochen und Monaten staunten wir, wie viele gute Augenblicke pro Tag, pro Woche, pro Monat zusammenkamen. Aus diesem Tagebuch (welches wir tatsächlich im Januar 2016, also vor genau 10 Jahren begannen) der schönen Momente wurde irgendwann unser Reiseblog «Leben pur». Und genau dorthin wollen wir zurück: zum Tagebuch der schönen Momente. Wir werden unsere Reise weiter für uns dokumentieren. Vielleicht nicht täglich, aber regelmässig. Und vor allem: für uns privat.

Willst du weiterhin dabei sein? 

Jetzt kommst du ins Spiel. Wir fragen uns, ob das Interesse gross genug ist, unsere Reise weiterhin zu begleiten. Wir haben oft gehört, dass unsere Nachrichten inspirieren und Freude machen. Dafür sind wir dankbar. Genau diesen Menschen möchten wir weiter die Möglichkeit geben, uns zu folgen – aber nicht auf einer öffentlichen, durchsuchbaren Website, sondern geschützt, privat, persönlich. 

Unser Plan: Wir lassen diesen Blogbeitrag noch eine Weile öffentlich. Wenn du weiterhin mitreisen willst, schick uns eine Nachricht. Antworte hier auf den Newsletter oder schreib uns eine ganz normale E‑Mail. Dann senden wir dir ein Passwort. Wir würden den gesamten Blog ab 2026 hinter einen Passwortschutz stellen. 

Und wir sind ehrlich: Sollte sich zeigen, dass nur sehr wenige Personen sich um ein Passwort bemühen, lohnt sich der Aufwand für uns nicht. Dann schreiben wir weiter – aber nur für uns, nicht in einem passwortgeschützten Blog. In diesem Fall geht der Blog zu Beginn 2026 offline. 

Zum Abschluss noch ein riesengrosses Danke! 

Wir sind im Sommer 2020 losgereist. Schon lang davor (ich glaube, auf meiner Alpenüberquerung begann ich regelmässig zu schreiben) haben uns Menschen virtuell auf diesem Blog begleitet. 

Wir sagen ein ganz grosses Danke. 

Danke für euer Interesse. Für eure Inspiration. Für Kommentare. Für Tipps. 

Danke für Länder-, Regionen-, Buchtipps, Websites, die uns weitergebracht haben. 

Danke für viele wunderbare Begegnungen. Danke, dass ihr bei den Vorträgen dabei seid. 

Vielen lieben Dank.

Gerd & Heike

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Jary
Jary
1 Monat zuvor

Liebe Heike und Gerd, ich habe mich gegen ein Lesen eines geschützten Blogs entschieden, es wäre (für mich) ein Abschied auf Raten. Ich habe euch seinerzeit auf Instagram entdeckt und mich über jeden einzelnen Beitrag sehr gefreut und später auch über jeden Beitrag, den ich per Newsletter erhalten habe. Insbesondere eure Reise durch den Iran hat es mir sehr angetan. Ich danke euch vom ganzen Herzen für die vielen Reiseberichte und Erfahrungen, die ihr geteilt habt und wünsche euch, auch vom ganzen Herzen, alles Gute und verabschiede mich hiermit.
Herzliche Grüße aus Dortmund, Jary

Alma
Alma
1 Monat zuvor

Vielen Dank für die vielen schönen Reiseberichte und alles Gute für Eure Zukunft.
LG A.

Rachel
Rachel
1 Monat zuvor

Liebe Heike, lieber Gerd.

Ich verstehe eure Beweggründe sehr gut und denke, es ist so richtig wie ihr es macht.

Ich freue mich für euch, dass ihr wieder ein „zu Hause“ in Form eines festen Standortes haben werdet.
Ich habe mich immer gefreut von euch zu lesen.

Auch für mich hat ein neuer Lebensabschnitt begonnen und es wird sich einiges ändern.

Vielen Dank für eure tollen Fotos und Berichte.
Ich habe mich immer gefühlt, als wäre ich dabei.
Dankeschön, dass ich euch begleiten durfte.

Ich wünsche euch von Herzen alles gute und liebe für alles was ihr machen werdet.

Bleibt gesund, genießt, lebt und reist wie es euch gefällt.
Das ist Leben pur !

Alles liebe, schöne Weihnachten 🎄🦌und einen guten Start ins Jahr 2026…

s’Racheli 😉

Marco
1 Monat zuvor

Kann eure Überlegung nur zu gut verstehen, ich beobachte das Verhalten bei vielen Blogs und selbst stehe ich auch vor der Entscheidung, wie es mit meiner Seite weitergehen soll.

Oft habe ich Informationen von anderen Reisenden gesucht, habe Tipps gefunden und habe sie selbst ausprobiert. Oft waren das tolle Tipps.

Inzwischen sehe ich vieles aber auch mit anderen Augen. Gerade in meinem Bereich, der mich interessiert, führen Tipps zu Örtlichkeiten dazu, dass diese überlaufen werden, sich Besucher nicht zu verhalten wissen und was schliesslich dazu geführt hat, dass die Örtlichkeiten mit Verboten/Sperrungen nicht mehr nutzbar wurden.

Alles Gute für die kommenden Jahre, ich hoffe, man läuft sich zu einem anderen Zeitpunkt wieder über den Weg.

Stephan
Stephan
18 Tage zuvor

Hallo ihr Zwei,

ich hatte den Beitrag schon vor einer Weile gelesen, dann aber wieder vergessen. Aber heute kam ich noch mal drauf und dachte, schreib ich mal was.

Zunächst, das ist natürlich alles allein eure Entscheidung und wenn ihr das macht, dann ist das so. Andererseits ist eine solche Website auch immer ein Blick in eine andere Welt. Ein Blick über den Tellerrand des eigenen Daseins. Und das ist – obwohl wir heute ja über so viele Möglichkeiten uns zu informieren wie noch nie – auch gefühlt so nötig wie noch nie. Und gerade das finde ich an solchen Blogs immer so spannend. Ich kann in andere Länder reisen und mir die Menschen und deren Leben anschauen, ohne nur ein Kilogramm CO2 zu verbrauchen. Eigentlich sind Blogs wie der eure eine Weiterentwicklung der klassischen Reiseführer. Nur besser, persönlicher, intensiver.

Und da sind wir bei den Schattenseiten. Ihr gebt eine Menge von euch preis. Ob das immer so sein muss und wieviel das ist, entscheidet ihr. Aber ja, ich kann mir vorstellen, dass es da mitunter auch einen unausgesprochenen Zwang gibt. Und den will man vielleicht nicht (mehr). Kann ich verstehen. Und die anderen negativen Folgen, Stichwort Overtourism sind natürlich auch da.

Um es abzubinden, macht, wie es sich für euch richtig anfühlt. Ich lese gern weiter, schaue mir die Bilder an, freue mich für euch. Und wenn ich ein Passwort dafür eingeben muss, meinetwegen. 🙂

Aber: Wenn ihr mal eine mehrwöchige Tour durch die Lausitz macht, so richtig mit allem drum und dran, dann muss die öffentlich sein! Denn hier ist es wirklich schön, aber das wissen viel zu Wenige. Vielleicht nicht spektakulär wie in der Wüste Marokkos oder den Parkanlagen Englands, aber schön ist es trotzdem! 🙂

Stephan.