23. September 2020

23. September 2020

Grosse Reise 🏍🏍 Tag 21

Ich sitze mitten in einer zauberhaften Stadt in Tschechien (von der ich bis vor einer Woche noch gar nicht wusste, dass sie existiert) in einer rustikalen Ferienwohnung mit Blick auf die Altstadt am Esstisch. Mein Liebster mir gegenüber. Wir haben unsere Büros aufgeklappt, rückenschonend haben wir die Laptops auf leere Kochtöpfe gestellt um sie etwas zu erhöhen.

In meinen Ohren übertönt meine Spotify-Lieblingsliste die Telko, die er seit Stunden auf französisch führt. Ich arbeite an den InDesign-Templates und er scheinbar an irgendwelchen Datenbanken, denn zwischen den mir nicht verständlichen französischen Sätzen fallen Worte wie Filemaker, Datenbank, Server und Download.

Und plötzlich kribbelt es in mir wie verrückt. Wir machen das wirklich, oder? Wir sind auf Reise. Auf unserer grossen Reise. Wir kombinieren 1 Tag Arbeit (okay, anfangs sind es ein paar mehr) pro Woche mit 6 Tagen Welt-Entdeckung. Wir bummeln vor uns hin, wir leben gerade das, wovon wir seit 5 Jahren geträumt haben, weswegen wir die letzten Jahre mehr arbeiteten als gesund war, und  alles, was möglich war, in die Reisekasse zurücklegten.

Jeden Tag werde ich früh wach, überlege kurz, wo wir derzeit sind und stelle fest, solange Gerd neben mir liegt, bin ich zuhause. Egal wo. Niemals hätte ich mir vor Jahren denken können, dass das möglich ist. Und dann, irgendwann fing ein kleiner Gedanke an, ein Samen zu sein. Schnell war er gesät. Erst ein zartes Pflänzchen, noch im Geheimen, damit ihn mir keiner kaputt trampeln kann. Dann haben wir das Pflänzchen gemeinsam gehegt und gepflegt, bis wir uns trauten, Familie und Freunden von unserem Traum zu erzählen. Denn nun waren wir sicher: andere können uns diese Vision nicht mehr zerstören.   

Wir fanden Skeptiker, Ängstliche und Traumzerstörer á la «das geht doch gar nicht»! Aber wir begegneten noch viel mehr Menschen, die uns ermunterten, die es vormachten, die es sich auch wünschen, die fragten, wohin, wie lang, womit, warum. Die alles wissen wollten. Mit jeder Frage kamen auch wir unseren eigenen Antworten näher. Und nun sitzen wir tatsächlich in dieser traumhaft schönen Stadt in Tschechien, von deren Existenz wir bis vor Kurzem nichts wussten und sind mittendrin, in unserem eigenen Abenteuer. Nehmen uns Zeit, verlängern um zwei Nächte um einfach langsamer unterwegs zu sein. Wir haben einfach die letzten Jahre zu viel gehetzt. Und wenn wir hier alles angeschaut, zugehört, aufgegessen und die Stadt erspürt haben satteln wir unsere beiden Schätze und fahren weiter.

Das nächste Ziel? Österreich. Salzburg. Und auf dem Weg werden wir wieder soviel Wunderschönes erleben. Umwege fahren. Überrascht werden. Und irgendwann wieder aufwachen um zu sehen, dass wir gemeinsam zuhause sind. Egal wo.

 

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